Alle Beiträge von Heiner Pithan

Männer? Gruppen?

Männer und VerletzlichkeitenEine leichte Spannung liegt in der Luft. Wir Männer stehen im Raum umher und wissen noch nicht so recht, wo wir hier sind und was uns erwartet. Manche freuen sich darüber, dass wir unter uns sind. Andere fragen sich im Stillen „was mache ich hier?“und wollen sofort wieder weg! Wieder andere lassen sich Zeit, suchen sich eine Ecke, versuchen, ihre leichte Aufregung zu neutralisieren. Dann gibt es die, die gleich die Zeit nutzen wollen und Gespräche beginnen, Kontakte knüpfen.

Es ist keine Party und keine Kneipe. Es ist auch keine Geschäftsbesprechung. Es ist auch nicht der Vorraum einer Konferenzhalle, in dem alle warten, dass das Programm losgeht. Naja, ein bisschen davon noch am ehesten.

Denn um 19:00 Uhr geht es tatsächlich los. Da werden wir in einen Kreis gerufen und spätestens zu diesem Zeitpunkt endet der mitteleuropäische Alltagsbezugsrahmen unserer Männerwelt. Jetzt geht es darum, auf einem der Sitzkissen Platz zu nehmen, die im Kreis auf dem Boden liegen.

Selbsterfahrungs-Männergruppen sind Experimente.

Mit im Kreis sitzen die Gruppenleiter. Und einer von ihnen eröffnet das Programm, den Abend. Wir bekommen erklärt, was das hier ist und wie der Abend ablaufen soll. Oder auch nicht. Das ist anscheinend nicht so klar. Auch worum es genau geht, bleibt unbestimmt. Na, mal sehen. Jetzt sollen wir erstmal nacheinander erzählen, „wie wir hier sind und was wir uns wünschen“.

Das alles trägt nicht gerade dazu bei, Sicherheit und Entspannung zu fördern.

Soll es auch nicht.

Genau deshalb machen wir das ja auch. Wir Männer hierzulande sind es gewohnt, zielgerichtet und effektiv vorzugehen. Eine Absicht zu verfolgen und produktiv zu sein. Das haben wir mehr oder weniger gelernt und das wird in allen möglichen gesellschaftlichen, kommerziellen und beruflichen Zusammenhängen von uns gefordert. Manchmal auch in unserem Familienleben. Kann mann alles nachlesen. Und Stressmanagementkurse besuchen. Und Männerpoweryoga machen.

Das ist hier anders. Zumindesten soll es anders sein. Wir wollen einen Gegenentwurf zu dem motorgetriebenen Leben schaffen. Vom Getriebensein zum Treibenlassen. Zugegeben, da steckt ein bisschen der Trotz des Absoluten drin. Ganz so ungesteuert oder „absichtslos“ geht es nun doch nicht.

Denn auch eine Männergruppe ist mit Absicht entstanden.

Wir sitzen nun hier, um aus den drei Stunden etwas zu machen, das unser Leben verändern soll. Es gibt keine Vorgaben, kein offizielles Thema.
Was können wir Männer aus so einem Raum machen? Also wozu sollten wir uns hier aufhalten und uns „einbringen“?

Ich glaube, dass das Innehalten wichtig ist, um das eigene Leben anders anzuschauen und etwas Neues zu entdecken. Und Innehalten bedeutet, einen Leerraum zu schaffen. Wir betreten einen neuen Raum mit neuen Menschen, in dem und mit denen wir uns nicht auskennen. Es gibt kein Ziel und wir werden nicht gefragt, was für uns am Ende herauskommen soll.

Doch wir alle füllen den Raum mit Leben. Mit unserem Leben. Mit unserem Alltag und unserer Vergangenheit. Und unserer Persönlichkeit, unserer Selbstwahrnehmung.

Eine Männergruppe lebt von offenen Fragen

Wir haben etwas vor, das wir in unserer gewöhnlichen Alltagsumgebung mit Männern nicht machen: Experimente mit Begegnung.

„Ich will mich selber spüren in Gegenwart und im Kontakt mit den anderen Männern. Das ist kein Plan, das ist eine innere Haltung der Offenheit und des Wohlwollens. Das ist kein Konzept, sondern mein Vorsatz, diesen Männern zu vertrauen. Oder ihnen zu sagen, das ich ihnen nicht vertraue. In diesem Kreis will ich endlich mal erzählen, dass ich mich vor Männern fürchte, und zwar schon seit ich ein kleiner Junge war. Und dass ich aus irgendeinem Grund sauwütend und traurig bin. Oder dass ich froh bin, hier zu sein und allmählich zur Ruhe und zur Erde komme. Oder mich traue ihnen zu sagen, dass ich noch nie mit einem Mann über Sex geredet habe. Dass ich Männer nicht anfassen will. Und das ich trotzdem in dieser Gruppe bin und versuche herauszufinden, warum. Was mich hierher ruft.“

Und am Ende des Abends ist die Zeit verflogen. Niemand weiß, wie es kam, aber die Unsicherheit ist fort. Statt dessen sind wir zusammen. Wenn alle ihre Wahrheit sprechen und handeln, entsteht in diesem Kreis an einem Abend eine Gewissheit und eine Mitte.

Eine Männergruppe ist keine Kameradschaft

Wir Männer sind Söhne und Enkel. Viele unserer Väter und Großväter sind mit Kameradschaften und der Hitlerjugend konfrontiert gewesen, ob sie nun dabei waren oder nicht. Das waren Instrumente der Ausrichtung und zur Förderung der Wehrhaftigkeit. Es ging immer um was, nämlich um Wettbewerb, um Ertüchtigung, um Kampfgeist. Sportsfreunde wurden gefördert und Zusammenhalt im Sinne einer Einheit. Einer für alle, alle für einen – die Politik der Konformität auf Kosten der wirklichen Bedürfnisse. Und das war tief in die Gesellschaft eingegraben und wurde (auch) genetisch weitergegeben.

Dagegen verunsichert und desorientiert der leere Raum zunächst. Stille, offenbarte Schwachheit, Verletztlichkeiten und echte Intimität untergraben die Entschlossenheit und den Kampfgeist. Hinzu kommt der Anspruch, miteinander unsere Unterschiede zu ergründen anstatt sie zu eliminieren.

Wir Männer brauchen Intimität miteinander. Mit uns selbst und mit anderen Männern. Wir müssen sie uns zurückholen. Es ist an der Zeit, uns in die Arme zu nehmen und die Unsicherheiten zu genießen. Versiert zu werden mit dem Nichtweiterwissen und den ungelösten Fragen in uns.

Männer! Wir verlieren nichts! Wir sind genauso Krieger und Liebhaber wie wir das schon immer waren. Doch wir haben die Chance, die Traumatisierungen unserer Väter zu anzuschauen.

Männerarbeit ist Friedensarbeit.

Der neue Mann ist paradox

Manchmal denke ich, dass sich vielleicht allmählich ein neuer Archetypus zeigt: der bewusst paradoxe Mann. Einer, der sich von der eigenen Kraft überraschen lässt, wenn er seine Schwachheit zeigt und sie zu sich nimmt. Einer, der sich in das eigene innere Chaos fallen lässt ohne darin unterzugehen. Einer, der Schicht um Schicht von seinem Schutz ablegt und deshalb immer würdevoller, selbstsicherer und kraftvoller wird. Der, der nichts über sich und die Welt „weiß“ und deshalb Zugang zu seiner Intuition bekommt und sie vertrauensvoll nutzt. Der, der andere irritiert, weil er zuverlässig eigenartig ist. Ein verantwortungsvoller Erwachsener, der seinem inneren Kind die Welt zeigt und sich von ihm leiten lässt.

Wir sind alle ungleich und unser freundlicher, respektvoller Blick darauf eint uns.

Lasst uns rohe, ungehobelte Machos sein, albern und politisch unkorrekt, weil wir gleichzeitig kultiviert, zugewandt und in Respekt und Liebe sind und uns frei zwischen diesen Polen bewegen.

Lasst uns Männer sein, die wissen, in welche kriegerischen Höllen ihre Väter und Großväter geblickt haben und der Selbstverachtung unsere Achtung entgegensetzen.

Lasst uns pathetisch und nüchtern sein und laut lachen! Unberechenbar und eindeutig! Einfach in unserer Komplexität! Im Hass die Liebe und in der Liebe den Hass erkennen!

Lasst uns große Räume halten, deren Teil wir sind!

Alles geschieht in Stille

Alles geschieht in StilleBuchstäblich alles
Die Stille war, bevor alles begann und sie wird sein, wenn alles gegangen ist

In der Stille entsteht die Lust
Und mit der Lust kommt die Spannung, geheimnisvoll und verbunden

Die Lust tanzt
Um ihrer selbst willen
in der Stille des Universums
erregt, erregend, körperlich

Wir leben aus Lust
In einem Mysterium

Alles geschieht in Stille
Und es gibt nichts zu verstehen

 

Du bist zuhause

Rückzug in die StilleBleibe hier.

Versuche, unter allen Umständen hier zu bleiben.

Oder die Umstände zu verändern, damit du hier bleiben kannst.

Nicht immer im Raum.

Nicht immer bei den Menschen.

Aber bei dir selbst.

Anwesend.

Zu Hause.

In dir selbst geborgen.

Mit deiner Liebe, deiner Nüchternheit, deiner Scham, deinem Hass und deiner Zärtlichkeit.

Bleibe anwesend.

So bist du frei und kannst gehen, wohin du willst.

Weil du die Wahl hast.

Nicht getrieben, sondern impulsiv.

Du zeigst dich, weil du dir selbst sicher bist.

Deine Sehnsucht wird zu Wünschen und du lässt es zu,

dass sie erfüllt werden.

Du bist zufrieden und erregt.

Du führst ein Leben.

Du hörst deinen Gedanken zu.

Du vertraust deinem Körper und deinem Herzen.

Menschen finden dich, weil du zu Hause bist.

Tiere und Pflanzen finden dich, weil sie willkommen sind.

Manchmal schäumst du vor Ärger, weinst vor Schmerz, tanzt vor Freude und Glück, rockst die ganze Welt vor Kraft.

Und manchmal bekommst du Angst.

Alles begleitet dich, ohne dich aufzuhalten.

Weil du es wagst, zu atmen

und dich in all dem zu bewegen.

Und zu verweilen.

Lass es laufen.

Bleibe anwesend.

Du bist zuhause.

 

(Heiner Pithan, 2014)

Die Lust auf Selbstverantwortung

Zeit läuft nicht weg!Selbstbestimmte Lebensführung setzt voraus, dass wir mit unseren wahren Bedürfnissen in Kontakt sind. Doch manchmal stehen wir uns mit blockierenden Überzeugungen selbst im Weg und vermeiden diesen Kontakt. Die Gestalttherapie bietet einen ganzheitlichen Weg zu unseren ursprünglichen Bedürfnissen und damit zu einer tiefgreifenden Auflösung dieser Selbstblockaden.

Hin und wieder lese ich Texte, die bloße Ablehnung oder Verachtung ausdrücken und deren Lektüre sich anfühlt wie der Verzehr einer Plastiktüte: unverdaulich bis schädlich. Solche Essays kann man differenzieren und mit seriösen Quellen unterfüttern – nahrhafter werden sie dadurch kaum. Zeitungen voller schlechter Nachrichten ermuntern nicht dazu, die Welt zu verbessern und sie werden schnell uninteressant. Statt dessen verstärken sie die Mangelerscheinungen im Herzen. Natürlich gibt es Menschen, die sich mit diesen Informationen auseinandersetzen, konstruktive Zusammenhänge herstellen, aktiv werden und daraus etwas zum Gemeinwohl beitragen. Dafür brauchen Sie jedoch für Herz und Geist eine Art Nahrungsergänzung, die sie in Form von anderer Literatur und gemeinschaftlichen Kontakten zu sich nehmen.

Womit beschäftige ich mich und was „verleibe ich mir ein“? Was brauchen wir Menschen für ein erfülltes Leben?

  • Gute Körpernahrung: physisch (Essen, Wärme) und sinnlich (Körperkontakt und Bewegung) wertvoll, die unseren Körper stärkt und unseren Geist beruhigt.
  • Gute Herznahrung: die uns berührt und unsere innere Beweglichkeit unterstützt.
  • Gute Seelennahrung: die uns in Kontakt mit dem Mysterium des Lebens und uns staunen lässt.
  • Gute Kopfnahrung: die unseren Geist erweitert, uns inspiriert und unseren Körper beflügelt.

Es ist wichtig, dass wir herausfinden, was uns auf den verschiedenen Ebenen unseres Daseins wirklich nährt. Je klarer wir das erkennen, desto tiefer können wir in den großen Kreislauf von geben und nehmen eintauchen. Und desto zufriedener und lebendiger sind wir auch.

Reden wir über den Hunger

Der Hunger nach physischer Körpernahrung ist sehr konkret und existentiell. Das gilt für Essen sowie für den Körperwärmehaushalt. Wenn mir kalt ist, spüre ich das sofort und weiß genau, das ich Wärme brauche, wie sich das anfühlt und was eine Wärmequelle sein kann. Wenn es mir in der Sonne zu heiß wird, suche ich Schatten auf. Diese Empfindungen sind ganz direkt mit simplen Handlungen der Selbstfürsorge verknüpft.

Ein bisschen anders verhält es sich mit anderen „Hungern“ (es gibt leider keinen Plural für Hunger). Wir brauchen liebevollen Körperkontakt. Wir suchen körperliche Zuwendung, und wenn wir bekommen, was wir brauchen, sind wir gesättigt und wenden uns anderen Dingen zu. Das Bedürfnis nach Körperkontakt ist nur ein Beispiel für diesen immer wiederkehrender Verlauf, ein Zyklus, der Prozess des Lebens. Organisch, natürlich und überall.

  • Es entsteht ein Bedürfnis nach Körperkontakt.
  • Dieses Bedürfnis erzeugt eine gewisse Aufregung in meinem System.
  • Ich nehme das Bedürfnis wahr, das heißt, es wird mir bewusst. Gleichzeitig bekomme ich eine Idee, wie ich es befriedigen kann und damit einen Handlungsimpuls.
  • Wenn die Möglichkeit besteht, suche ich mir jemanden zum Kuscheln, vielleicht eine kurze oder längere Umarmung.
  • Ich genieße den Kontakt, nehme die„Nahrung“ auf, während meine Aufregung verebbt.
  • Nach einer Weile tritt die Sättigung ein und das Bedürfnis löst sich auf.
  • Ich löse mich aus dem Körperkontakt und genieße die Befriedigung.

Wenn Sie mögen, prüfen Sie diesen Kontaktzyklus in Ihrer eigenen Erfahrung. Wie ist das mit dem Bedürfnis nach Sex, nach geistigen Anregungen, nach kreativem Schaffen, nach einem guten Wechsel zwischen Arbeit, Ruhe und Spiel? Haben Sie ein Bedürfnis nach spirituellem oder religiösem Leben, nach Gott? Gibt es für Sie das Bedürfnis, Dankbarkeit auszudrücken?

Gute Ernährung setzt voraus, dass ich meinem Körper, meiner Seele, meinem Herzen, meinem Verstand zuhöre und ihrer Weisheit vertraue. Im Grunde wissen wir alle vom Beginn unserer Entstehung an, was wir brauchen, um uns zu entwickeln und damit es uns gut geht.

Wieviel Zeit nehmen Sie sich um zu spüren, was Sie jetzt und hier brauchen? Können Sie für sich sorgen, indem Sie die für Sie richtigen Maßnahmen ergreifen?

Sehen wir uns doch einmal eine ganz alltägliche Situation genauer an. Just während ich das hier in meine Computertastatur tippe bemerke ich eine ganz unangenehme Spannung in meinem Nacken. Was ist da los? Ich bewege mich ein bisschen und spüre, dass die Spannung durch meine aktuelle Kopf- und Rückenhaltung entsteht. Mein Bedürfnis ist, den Schmerz aufzulösen und es entsteht in mir der Impuls, meine Sitzposition zu verändern, meine Bauchmuskeln zu entlasten und meine Wirbelsäule aufzurichten. Das führt dazu, dass ich Lust bekomme, meine Arbeit zu unterbrechen, vom Schreibtisch aufzustehen, mal tiefer durchzuatmen und eine Pause zu machen.

Huch, das geht aber gar nicht!

„Ich kann doch hier nicht einfach weg! Immerhin habe ich einen Termin und der Text muss fertig werden! Und überhaupt, wo kämen wir denn hin, wenn jeder einfach so seine Bedürfnisse ausleben würde! Wenn man sich zusammenreisst, kann man sich ja auch an die Nackenschmerzen gewöhnen. So schlimm ist es ja auch nicht. Sei nicht so wehleidig! Wenn ich mich richtig konzentriere merke ich das doch gar nicht. Ich darf halt nicht drüber nachdenken und notfalls lenke ich mich mit irgendwas ab. Dabei muss ich zwar ständig dieses Spannungsgefühl und meinen Nacken ausblenden und irgendwann werde ich vermutlich die berüchtigten Spannungskopfschmerzen bekommen. Naja, dann nehme ich halt ein paar Schmerztabletten und damit geht’s schon. Und gegen die Müdigkeit gibt es Koffeinpillen. Ohne Fleiss kein Preis.“

Ist Ihnen das vertraut? Es ist ein bisschen überzeichnet, klar. Doch solche Sätze dienen einem Zweck. Der Kern dieser Botschaften ist: „Halte dich von deinen Bedürfnissen fern!“. Es handelt sich dabei um tatsächliche oder unterschwellige Lebensanweisungen, die wir übernommen haben.

Manche Menschen sind in einer Welt aufgewachsen in der bestimmte Bedürfnisse keinen Platz hatten. Beispielsweise das Bedürfnis nach Sicherheit und liebevoller Zuwendung, nach Respekt vor den eigenen Körpergrenzen, nach Entwicklung und Abenteuer, nach Ruhe und ausreichend Schlaf, nach stressfreier Freizeit. Und wenn ein Kind im Mangel lebt und an der Situation nichts ändern kann, findet es Möglichkeiten, sich irgendwie zu retten. Schlimmstenfalls geht es um das pure Überleben. Nicht selten leben schon die Eltern und Bezugspersonen des Kindes selbst mit chronisch unerfüllten Bedürfnissen und sind sich dessen nicht bewusst.

Wenn die Frustration oder der Schmerz zu groß werden sind wir Menschen imstande, unsere Selbstwahrnehmung zu reduzieren. Das ist eine sehr hilfreiche und bisweilen überlebenswichtige Fähigkeit und wir können uns damit das Leben erleichtern.

Wir schützen uns, indem wir insgesamt weniger spüren, allerdings verlieren wir dadurch auch an „Geschmack“ für das, was wir für Körper, Herz, Seele und Geist an Nahrung brauchen. An manchen Stellen können wir nicht mehr so gut unterscheiden, was sich richtig anfühlt und was nicht. Dann nehmen wir vielleicht inkauf, was wir gerade bekommen, auch wenn wir damit eigene Grenzen überschreiten, uns auf Ersatznahrung beschränken oder uns schädigen. Und das Leben kann lange gut gehen mit diesen Unklarheiten, solange es dementsprechend funktioniert.

Manchmal jedoch verändern sich die äußeren Umstände oder das unterschwellige Nagen der Unzufriedenheit wird zu stark und damit unüberhörbar. Das Bedürfnis wird immer stärker, auch wenn es noch nicht benannt werden kann. Möglicherweise entdecken wir dann eben solche Sätze (Botschaften, Glaubenssätze, Überzeugungen, auch Introjekte genannt) mit denen wir uns selbst blockieren. Doch solange wir sie als Schutz brauchen, benutzen wir sie, obwohl sie sind nicht wirklich ein Teil von uns werden.

Letztlich sind sie unverdaulich. Wie also werden wir sie los?

Die gute Botschaft

Körperlich scheiden wir unverdauliche Stoffe aus, wenn wir es zulassen. Psychisch können wir das ebenso!

Unsere blockierenden Überzeugungen haben wir im Kontext von Beziehungen gelernt. Fast immer sind sie entstanden, weil sie in einem schädlichen Beziehungsumfeld unsere Rettung waren. Deshalb können sie zumeist auch nur in einem anderen, heilsamen Beziehungsumfeld aufgelöst werden. In der Gestalttherapie wird so ein Umfeld geschaffen und die tiefe Wirkung entsteht aus der unmittelbaren, wohlwollenden Begegnung auf Augenhöhe und der guten therapeutischen Beziehung. Sie sind eingeladen, sich auf Ihre wahren Bedürfnisse und auf sich selbst als ganzer Mensch einzulassen. Sie sind mit allem willkommen, was Sie ausmacht und was Sie mitbringen.
Unsere Selbstblockaden haben eine wichtige Schutzfunktion und unsere Psyche lässt nicht zu, dass sie einfach verschwinden und ein Loch hinterlassen. Doch wenn Sie das entdecken, was Sie schützen und sich Ihren unerlösten Bedürfnissen zuwenden, dann können Sie auch Verantwortung dafür übernehmen. Und dann entfalten Sie wieder Ihre Selbstliebe und Ihre Selbstwahrnehmung, mit der Sie von Anfang an ausgestattet sind. Aus dieser Haltung heraus werden Sie sich die bisher fehlende Nahrung geben oder holen können. Sie entdecken vielleicht ganz neu, was gut und was schädlich für Sie ist und werden sorgfältig auf Ihre Weise wählen. Und dann können Sie die schädlichen Überzeugungen gehen lassen, ausspucken oder mit klarer Selbstbestimmung und Autorität von sich weisen.

Und schließlich werden Sie ganz von selbst Ihre eigene Sprache für Ihre Bedürfnisse wiederfinden: Ihre Körpersprache (Bewegung), Ihre Herzsprache (Gefühle), Ihre Seelensprache (Verbindung) und Ihre Verstandessprache (Erkenntnis und verbaler Ausdruck).

Veränderung geschieht, wenn Sie Ihre Wahrheit willkommen heißen, die Sie bisher vor sich selbst verborgen haben.

Foto: Morane, „Wir brauchen Zeit“ (Some rights reserved)
Quelle: www.piqs.de

Entscheidung zur Lebendigkeit

Bewusst erlebte SchamÜber Lebendigkeit schreiben – geht das überhaupt?

Während ich diesen Text schreibe male ich mir aus, in welcher Situation du ihn wohl lesen wirst. Vielleicht sitzt du irgendwo in einem Cafe, nippst hin und wieder an deiner Tasse, isst ein Stück Kuchen. Vielleicht bist du zuhause und sitzst vor deinem PC? Oder du bist gerade im Zug und vertreibst dir die Zeit mit lesen?

In welcher Situation auch immer du dich befindest: was siehst, hörst, schmeckst, riechst und tastest du? Nimm dir mal kurz Zeit um zu spüren, sehen, fühlen, was du innerlich und von deiner Umgebung wahrnimmst.

Phantasie wirkt anregend

Wenn ich das Wort Lebendigkeit höre, entsteht in mir spontan eine Flut von Assoziationen: Begeisterung, Lebenslust, Lachen, Begegnung, Körperlichkeit, ausgelassen tanzen, singen oder schreien, Sex, Bewegung und nochmal Bewegung…

Und dann schaue ich mir das an und frage mich, was ich denn jetzt im Moment davon erlebe? Wenn ich ehrlich bin, nicht viel. Ich sitze vor meiner Tastatur und denke nach, während ich äußerlich nahezu unbewegt möglichst schnell meine Finger bewege. Bin ich jetzt nicht lebendig? Was bin ich denn dann? Ich atme, mein Herz schlägt, mein Blut fließt durch meine Adern, ich spüre den kühlen Boden unter meinen Füßen, die warme Kleidung auf meiner Haut, ich schaue durchs Fenster auf die Straße und beobachte die Leute…

Vermutlich ist es egal, was ich tue oder was geschieht – das Entscheidende ist meine Beteiligung daran. Phantasien lösen Empfindungen aus. Die Vorstellung, dass mir jetzt in diesem Moment ein geliebter Mensch sanft über den Rücken streicht fühlt sich toll an! Aber das bekomme ich nur mit, wenn ich dieses Bild aufsteigen lasse und mich den Körpererinnerungen ganz öffne, die dabei wachgerufen werden.

Vor mir sehe ich die trockenen Balkonkästen. Ich stelle mir vor, in die Erde zu greifen und sie zu lockern. Ich spüre geradezu physisch die Wurzeln an meinen Fingern, rieche die alte, trockene Blumenerde…

Und dann fallen mir viele weitere Phantasiereisen dieser Art ein. In eine frische Zitrone zu beißen. Barfuß über ein Schotterbett zu gehen. Der Knall eines Gewitterdonners. Mich auf einer Tanzfläche austoben. Auf dem Rücken in einer Wiese zu liegen und in den Sommerhimmel zu blicken, den Geruch des frisch gemähten Grases in der Nase.

Wenn ich mir Zeit nehme, mich wirklich in diese Bilder vertiefe und all‘ diese sinnlichen Erinnerungen in meinem Körper spüre, dann werde ich hier vor meinem Computer ganz wach und lebendig!
Es ist im Grunde banal, weil wir alle das immer wieder erleben. Auch sexuelle Phantasien funktionieren so.

Die Lebendigkeit in der Scham

Ich stehe in der U-Bahn. Es ist nicht besonders voll. Ein paar Menschen reden miteinander, die meisten sinnieren vor sich hin. Manche beschäftigen sich mit ihrem Handy, spielen oder schreiben irgendwas.

Dann stelle ich mir vor, den Mund zu öffnen und laut und vernehmlich ein Lied zu singen, irgendein Lied. Am stärksten ist die Wirkung, wenn ich auf Deutsch singe, weil mir diese Sprache am nächsten ist. Ich stelle mir vor, was die Menschen tun werden. Die meisten werden hören und sehen wie ich singe und auch den Text verstehen. Ich lasse meinen Blick durch den Wagen schweifen, bleibe an dem einen oder anderen Augenpaar hängen. Ich nehme Kontakt mit einzelnen Menschen auf, während ich singe, zeige mich, bin schutzlos dem ausgeliefert, was gemeinhin Peinlichkeit genannt wird. Ich habe gelernt, dass man hierzulande so etwas nicht tut. Ich tue so etwas nie. Ich traue mich nicht, aus der Reihe zu treten und Außenseiter zu werden.

Scham. Bewusst erlebte Scham, die Scham, für die ich mich jetzt entscheide kann elektrisieren. Alles in mir ist in Aufruhr. Ich bin hellwach und total präsent. Dabei ist es zunächst egal, was die Menschen um mich herum tun. Die meisten werden irgendwie auf mich reagieren. Und vermutlich werden die meisten versuchen, mich zu ignorieren.

Ich kann jederzeit aufhören und wieder in die Unscheinbarkeit zurücktreten. Bei der nächsten Station verlasse ich den Zug und alles ist wie vorher. Ich bin wieder in der Anonymität geschützt und kann mich ausruhen, wieder „runterkommen“. Und vielleicht irgendwann das nächste Experiment wagen.

Wichtig ist dabei, dass ich mich diesen Gefühlen öffne ohne mich zu überfordern. Die Lebendigkeit entsteht, wenn ich ganz und gar beteiligt bin, und das geht nur, wenn es nicht zuviel ist. Zunächst kommt es gar nicht drauf an, ob ich tatsächlich in der U-Bahn singe. Es beginnt damit, was allein meine Phantasie für eine Körperwirkung hat. Und es ist zunächst nur wichtig, diese Wirkung bewusst wahrzunehmen, sie auszukosten, alles zu spüren und dabei ganz im Kontakt mit mir selbst und meiner Umgebung zu bleiben.
Probiere es aus! Was ist dein „singen in der U-Bahn“? Was erschreckt dich und zieht dich gleichzeitig an? Lass dir Zeit für solche Phantasien. Bleib dran, finde dein eigenes Tempo und gehe innerlich weiter, gib dem, was du erlebst immer mehr Raum. Vielleicht stößt du auf Erfahrungen, durch die du bis heute deinem Sehnen nach deiner ganz eigenen Lebendigkeit nicht nachgehst. Stell dir vor, innerlich vor einer Tür zu stehen, mit einem Schild, auf dem ein Wort oder ein Satz für diese Erfahrung steht. Das kann eine tiefe Überzeugung sein, warum „es nicht geht“, das zu tun, was du dir wünschst… Die Tür mag verschlossen sein, dennoch kann sie der Eingang zu etwas sein, das dir fehlt um dich ganz zu fühlen. Und wenn du den Drang verspürst, diese Tür zu öffnen – was brauchst du dafür? Versuche herauszufinden, was oder wer dir dabei helfen kann.

Lebendigkeit in wahrhaftiger Begegnung

Wir stehen oder sitzen voreinander und unterhalten uns. Auf einer Party, auf der Straße, egal. Wir reden Belangloses, erzählen uns aus unserem Alltag und was wir in der letzten Zeit getan haben. Hin und wieder begegnen sich unsere Blicke, doch ansonsten passiert nicht viel zwischen uns.

Plötzlich merke ich, dass ich mit meiner Aufmerksamkeit schon seit einiger Zeit woanders bin und dass ich nicht mehr wirklich zuhöre. Ich ermüde und beginne, mich zu langweilen. Das schleicht sich an. Wenn du möchtest, stell dir sich auch hier wieder vor, du wärst jetzt in so einer Situation. Wie fühlst du dich? Wie reagiert dein Körper? Wie atmest du? Was sagt die Höflichkeit, dein Sicherheitsbedürfnis zu der Situation?

Und dann machst du in deiner Vorstellung das, was du aus deinem Bauch heraus wirklich, wirklich tun willst.

Ich entscheide mich. Ich sage meinem Gegenüber, dass ich unser Gespräch verändern will. Wir hören auf zu plaudern und statt dessen entsteht ein Raum zwischen uns, der erst einmal leer ist. Da kann so etwas wie Verlegenheit oder Peinlichkeit entstehen. Wie geht es denn jetzt weiter? Möglich, dass mein Gegenüber froh darüber ist, endlich nicht mehr plaudern zu müssen („Konversation machen“), sondern mit mir in echten Kontakt treten kann. Wir beziehen uns direkt und offen aufeinander. Es kann auch sein, dass dieser Mensch zurückweicht, befremdet reagiert und nichts mit meinem Angebot anfangen kann.
Was auch immer geschieht – bin ich bei diesem Gespräch wirklich anwesend? Bin ich „bei mir“, bin ich ganz bei dem, was ich im Augenblick tue? Selbstverständlich kann ich mich in einer Plauderei sehr wohl fühlen. Wichtig ist nicht die Art des Gesprächs oder der Situation. Wichtig ist, welche Wahl ich treffe, wenn ich mich unwohl fühle oder wenn ich mich so gut fühle, dass ich Lust auf irgendeine Veränderung bekomme.

Denn es kann ja so sein: Es geht dir so gut mit diesem Menschen, dass du dir mehr Nähe wünschst. Und du möchtest ihr oder ihm das einfach sagen. Du hast diesen Menschen zum ersten Mal gesehen und willst ihn oder sie schon anfassen. Vielleicht nur ganz kurz, ganz leicht…einfach so… Und du weißt nicht, wie das ankommen würde und ob diese Berührung willkommen ist oder wie es dann weitergeht.

Oder im Gegenteil fühlst du dich abgestoßen von deinem Gegenüber. Er oder sie sagt Dinge, die dir völlig gegen den Strich gehen, kommt dir zu schnell zu nahe, vielleicht auch körperlich, hat einen unangenehmen Mundgeruch oder stinkt nach altem Schweiß, benimmt sich in einer Lautstärke, die Kontakt schier unmöglich macht. Du willst dich abgrenzen und hast den Impuls, etwas dazu zu sagen.

Spricht etwas dagegen? Wenn ja, was ist „es“? Und was genau sagt „es“?

Lass dich in deiner Vorstellung das Risiko eingehen und deinem Impuls folgen. Du überschreitest eine Grenze in der „normalen“ Begegnung mit Worten oder einer Geste. Wie fühlst du dich dabei?

Die Spannung zwischen Bedürfnis und Schutz

In den hier beschriebenen Beispielen wird deutlich, dass wir immer wieder wie Kinder Impulse aus unserer Lebendigkeit heraus erleben und dass es zu diesen Impulsen auch Gegenspieler geben kann. Aus irgendwelchen Gründen halten wir uns zurück, das zu sagen oder tun, was wir wollen. Bisweilen gibt es sehr gute und vernünftige Gründe für diese Zurückhaltung und sie kann eine ganz wichtige Schutzfunktion haben. Doch wenn du dadurch vor deinem Bedürfnis stehenbleibst, wirst du immer unzufriedener.

Vielleicht kennst du den einen oder anderen Satz:

„Wenn du so bist, bist du böse!“
„Brave Kinder tun so etwas nicht!“
„Wenn du sowas sagst (oder machst), bist du peinlich!“
„Ich bin zuviel!“
„Wenn die anderen wüssten, wie ich wirklich bin, würden sie sich abwenden!“
„Wenn ich sage, was ich will, werde ich bestraft!“
„Wenn du das tust, dann hab ich dich nicht mehr lieb!“
„Wer mir nahe kommt, wird mir weh tun und das ertrage ich nicht!“

Du stehst vor einer inneren Polarität: du willst etwas sagen oder tun und spürst gleichzeitig, dass du dich zurückhältst, weil du nicht kannst. Oder weil Verbote dagegen sprechen. Oder weil du in einer ähnlichen Situation zu sehr verletzt worden bist. Oder weil du das schon kennst und weißt, wie es ausgehen wird. Oder, oder, oder…
In einem gestalttherapeutischen Prozess werden solche Polaritäten deutlich und spürbar.

Das Bedürfnis und der Schutz vor der erfüllenden Handlung werden gleichermaßen beleuchtet und gewürdigt. Oder, um genau zu sein, du selbst beleuchtest und würdigst dein Bedürfnis und deinen Schutz. In diesem Prozess lernst du dich immer besser kennen und übernimmst Verantwortung dafür, wie du mit dir selbst und mit dem, was dir widerfährt, umgehst. Wenn du deine ganze Bandbreite an Gefühlen und Erlebnissen willkommen heißt und dort wieder Bewegung zulässt, wo du vielleicht vor Schreck erstarrt bist, veränderst du sich selbst. Dazu gehört auch die oft unterdrückte und körperlich erlebte Spannung zwischen den beiden Polen. Der Schmerz, der in dieser Spannung gebunden ist, kann sich auflösen; die festgehaltene Lebenslust und Energie steht dir wieder zur Verfügung. Du kannst dich für eine Handlungsoption entscheiden und aus der Frustration in deine Lebendigkeit zurückfinden.

Pass auf dich auf! Schütze dich! Doch wenn du dich zu sehr schützst, opferst du deine Lebendigkeit. Mach dich auf in das Unbekannte und suche dir die richtige Unterstützung dafür.

Als Gestalttherapeut biete ich dir einen Raum, in dem du respektvoll von außen geschützt wirst. Hier hast du die Möglichkeit, dich selbst zu betrachten, deinen inneren Schutz zu benennen und wahrzunehmen. Ich begleite dich dabei, wenn du Schritt für Schritt und in deinem Tempo entscheidest, wann du dich schützen und wann du deinen Schutz beiseite legen und etwas Neues wagst. So begegnen wir beide dem verletzten Teil von dir, den du verbirgst. Ich lade dich ein, deine Grenzen und deine Bedürfnisse kennen zu lernen. Steig aus automatischen Schutzreaktionen aus und finde, was du brauchst, um in deinem Alltag bewusst zwischen Offenheit und Rückzug wählen zu können.

Foto: felicitas95, „Toilettentyp“ (Some rights reserved)
Quelle: www.piqs.de

Gestaltcoaching oder Gestalttherapie?

Es kann sein, daß Sie Ihre Lösung bereits „parat“ haben und Sie eher Begleitung in der Umsetzung brauchen. In diesem Fall ist der Klärungsprozess im Rahmen des Gestaltcoachings kürzer und lösungs- bzw. zielorientierter.

Äußere Faktoren sind hierbei vielleicht wichtiger als in der therapeutischen Situation und es geht mehr um die Frage, welche konkreten Schritte für Sie erforderlich sind und was Sie brauchen, um Ihren Weg gehen zu können. Ein Gestaltcoaching setzt daher an Ihrer Lebenspraxis an und ich unterstütze Sie dabei, Ihre Ziele und Pläne zu finden und sie umzusetzen.

Dabei kann es vorkommen, dass Ihr Weg Sie auch tiefer nach innen in Ihr Gefühlsleben führt. Das kann wichtig sein, wenn sie auf Überzeugungen und blockierende Glaubenssätze stoßen, die Ihnen vielleicht bisher verborgen waren. Wir ergründen gemeinsam, was diese, Denkmuster und Gefühle für einen Sinn für Sie haben, wozu sie Ihnen dienen.

Der therapeutische Prozess

Ein gestalttherapeutischer Prozess führt ganz bewusst nach innen. Es geht dabei nicht um ein Ziel, sondern um eine Art innerer neugieriger Entdeckungsreise.

Unsere Begegnung und der Kontakt zwischen uns ermöglicht es Ihnen, sich auf tiefere Gefühlsbereiche einzulassen. Sie haben die Möglichkeit zu erforschen, was Ihre wirklichen Bedürfnisse sind und wie Sie mit diesen Bedürfnissen umgehen. Vielleicht spüren Sie innere Blockaden oder Verhärtungen, durch die Sie sich selbst schützen und Sie entdecken, dass Sie diesen Schutz tatsächlich nicht mehr brauchen. Seien Sie neugierig auf sich selbst! So werden Sie finden, was Sie für Ihre Lösung brauchen.

Ihr erster Schritt zur Veränderung

Auf der Suche nach einer Lösung ist es manchmal notwendig, innezuhalten und einen neuen Weg auszuprobieren – besonders dann, wenn die bisherigen Gewohnheiten „nicht mehr funktionieren“ oder Sie sich „im Kreis drehen“. In unserer Begegnung werde ich Sie daher auch immer wieder dazu einladen, Ihre Körpersprache und Ihre Körperwahrnehmung, Ihren Atem und Ihre Intuition einzubeziehen. Im Rahmen der Gestalttherapie gibt es viele Möglichkeiten, etwas Neues über sich selbst zu erfahren, auch außerhalb des rein verbalen Gesprächs. Bisweilen werden Sie auf Ihrem Weg Hindernissen, einem inneren „Festhängen“ und Ihren eigenen Ausweichmanövern begegnen – das ist wichtig und willkommen!

Zwei Menschen begegnen sich – „Du und ich, hier und jetzt”.

Und in dieser Begegnung erfahren Sie schützende Begleitung. Sie entdecken neue Möglichkeiten für Ihr Leben, wachsende Zufriedenheit und Lebendigkeit im Kontakt mit sich selbst und mit Ihrer Umgebung.

Ich gehe davon aus, dass es Ihr angeborenes Recht ist,
ein selbstbestimmtes und gutes Leben zu führen.

Sie sind bei mir als ganzer Mensch willkommen!

…mit Ihren Schwierigkeiten und Belastungen, mit Ihrer Begeisterung und Ihren Fähigkeiten.

Ihr Anliegen und unser Kontakt stehen im Mittelpunkt – jetzt und hier, in jedem Moment.

Und auch wenn Sie es derzeit vielleicht nicht spüren können: Sie kennen sich selbst und Ihre Bedürfnisse am besten, Ihre Lösungsmöglichkeiten, die Richtung, in die Ihr Weg führt und Ihr Tempo. Ich möchte Sie bei der Entdeckung dieses Wissens unterstützen, damit es Ihnen zur Verfügung steht. Mit meiner Art zu arbeiten lade ich Sie ein, sich selbst zu trauen und zu wachsen. Wenn Sie sich entschließen, Ihren eigenen Weg zu suchen und zu gehen werde ich Sie dabei mit Klarheit, Humor, Kraft und großer Achtsamkeit begleiten.

Alles bekommt Respekt und Zeit.

Das, was ist, darf sein.

Und dadurch kann es sich verändern.

Was ist Gestalttherapie?

Hier beschreibe ich ein wenig von dem theoretischen Hintergrund. Theorie schafft Zusammenhänge und spannt größere Bögen – unsere Zusammenarbeit jedoch ist ein lebendiger Prozess!

Der Begriff Gestalt bedeutet in diesem Zusammenhang „Ganzheit“ oder „Einheit“ im Sinne von vollständig oder abgeschlossen.

Eine zentrale Frage in der Gestalttherapie ist, inwieweit Sie Kontakt zu Ihren eigenen Bedürfnissen haben und sie bewußt und klar spüren. Wenn Ihr Kontakt zu wichtigen Bedürfnissen gestört oder unterbrochen ist, befinden Sie sich in der permanenten Situation, einen Mangel auszugleichen. Dabei kann es darum gehen, etwas zu bekommen, wie beispielsweise Ruhe, Körperkontakt, Bewegung, Körperwärme, Liebe, Austausch mit einem anderen Menschen; es kann sich auch darum handeln, etwas auszudrücken wie beispielsweise Ärger, Ekel, Freude oder Mitgefühl, um ein Erlebnis abschließen und integrieren zu können.

Zwischen dem Bedürfnis und der ausbleibenden Erfüllung besteht eine Spannung, die Sie in Ihrem Alltag vermutlich unterschwellig ständig beschäftigt und beeinträchtigt. Das ist das unabgeschlossene Thema, die offene Gestalt.

In unserer gemeinsame Arbeit erforschen wir diese Spannung und Sie entdecken darin, um welches Bedürfnis es Ihnen tatsächlich geht. Sie finden Ihren Weg und die Fähigkeit, Ihr Bedürfnis zu erfüllen und sich zu entspannen. Sie können das Thema (= unerfülltes Bedürfnis oder offene Gestalt) abschließen und die darin gebundene Lebensenergie steht Ihnen wieder zur Verfügung.

Der bewusste Kontakt miteinander

Im Mittelpunkt der Gestalttherapie steht unser Kontakt in der gegenwärtigen Begegnung, eben unsere Begegnung im Hier und Jetzt. In diesem Kontakt und vor dem Hintergrund Ihres Anliegens entwickelt sich der therapeutische Prozess, dessen Verlauf und Dynamik stets neue Überraschungen bieten kann.

Ein Kontakt im Sinne der Gestalttherapie lebt unmittelbar von der bewußten Wahrnehmung oder dem Gewahrsein. Kontakt kann es nur zu Empfindungen geben, die tatsächlich jetzt und hier entstehen. Zu Ereignissen, Empfindungen und Gefühlen in der Vergangenheit oder Zukunft kann kein Kontakt entstehen – das eine sind Erinnerungen und das andere sind Vermutungen.

Ihre Gefühle bekommen Zeit und Aufmerksamkeit

In der Gestalttherapie geht es darum, Ihren Gefühlen Raum, Zeit und Aufmerksamkeit zu geben, die Ihr gegenwärtiges Leben belasten. Belastung bedeutet hier, daß ein vergangenes Erlebnis so überwältigend war, daß die begleitenden Gefühle unerträglich stark waren und Sie sie sozusagen auf ein Abstellgleis geschoben haben. Möglicherweise werden Sie seither immer wieder von ähnlichen Gedanken und Empfindungen heimgesucht; sie sind jedoch verwirrend oder führen Sie endlos im Kreis, weil das ursprüngliche Ereignis bis in die Gegenwart nicht verarbeitet ist. In Ihrem alltäglichen Leben können sich die „unerledigten Geschäfte” durchaus störend und destruktiv auswirken, auch in Ihren Beziehungen und Freundschaften.

Wenn solche Gefühle allmählich und in angemessener, achtsamer Weise aus ihrem Schattendasein befreit werden, zeigen sich oft die Zusammenhänge zu den unverarbeiteten Erlebnissen aus der Vergangenheit. In dem gegenwärtigen bewußten Annehmen, Durchleben und Loslassen dieser Gefühle können Sie die zurückliegenden Erlebnisse integrieren und Ihr Gemüt und Körper dürfen sich wieder entspannen.

Die Gestalttherapie entstand im Geist des Humanismus bzw. der humanistischen Psychologie. Sie wurde Mitte des vorigen Jahrunderts von Fritz und Lore Perls begründet und ist von zahlreichen philosophischen und psychologischen Lehren wie der Gestaltpsychologie, dem Konzept des Charakter- und Körperpanzers von Wilhelm Reich, der Phänomenologie, dem Existenzialismus, der Feldtheorie, dem Psychodrama u.a. bis hin zur strukturellen Körperarbeit von Ida Rolf beeinflußt.

Über Gestalttherapie gibt es viel Literatur und Quellen im Internet. Als Beispiele sollen hier dienen:

Buchauszug Erhard Doubrawa / Stefan Blankertz: Einladung zur Gestalttherapie
Online-Zeitschrift ‘Gestalttherapie’
Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie (DVG)